Frau Aksu – inTeam

 

Mercan Songül Aksu

Centermanagerin im Stadtzentrum Schenefeld

 

Er ist 30 Zentimeter lang – und er ist immer in ihrer Nähe. Meist liegt er auf ihrem Schreibtisch – und wenn er da nicht liegt, trägt sie ihn gern bei sich. Sie nennt diesen Bleistift ‚meinen Motivationsstift‘. „Für große Pläne“ steht auf dem Stift. Große Pläne, die sie längst in die Tat umgesetzt hat.

Die Rede ist von Mercan Songül Aksu, Diplom-Betriebswirtin und Center-Managerin des Stadtzentrum Schenefeld, eine Power-Frau, die gern und herzhaft lacht und klare Ansagen macht – beispielsweise diese: „Es ist meine Überzeugung, dass alles wirklich Gewollte im Leben machbar ist.“ 40 ist Mercan Songül – und wer weiß, was sie noch alles auf die Beine stellen wird. An Energie, Charme, Erfahrung und Klugheit wird es ihr nicht mangeln! Dabei wurde ihr der Erfolg alles andere als in die Wiege gelegt. Sie ist die jüngste Tochter eines Kurden aus der Türkei und Gastarbeiters, und das, was sie heute ist, hat sie sich mit Fleiß, Ehrgeiz und ihrem Talent für Kommunikation erarbeitet. So spricht sie auch Klartext über ihre persönlichen Eigenschaften: „Ich bin ein engagierter und disziplinierter Tatenmensch. Bei der Bewältigung von stets außerordentlichen Aufgaben sind der absolute Erfolg und die Professionalität mein angestrebtes Ziel.“

Der Reihe nach.

Treffpunkt Stadtzentrum Schenefeld, Kiebitzweg 2, Obergeschoss, Centermanagement-Office. Hier sitzt die Chefin. 40.000 Quadratmeter ist das Zentrum groß – ein Menschen-Magnet mit über 100 Geschäften,  Restaurants, Arztpraxen, Spielcasinos, Tattoo-Studio, Reha-Zentrum inkl. Fitnessstudio  und neuerdings mit einem weiteren modernen Fitnesszentrum, dem 1600 Quadratmeter großen Sportsclub. 

Mindestens dreimal täglich macht Mercan Songül Aksu ihre Centerrundgänge – sie ist Ansprechpartnerin für Mieter, Kunden und Dienstleister. Wieviel Kilometer ist sie täglich unterwegs? Aksu lacht: „Ich habe noch keinen Schrittzähler,“ sagt sie, „aber,“ so schätzt sie, „ich bin täglich schon ein paar Kilometer im Zentrum unterwegs.“ Immer mit Maske. „Wir Center-Mitarbeiter müssten eigentlich keine Maske tragen, aber wir machen es, weil wir eine Vorbildfunktion haben. Und weil wir unsere Kunden schützen wollen – und uns natürlich auch.“

In Tübingen ist Mercan Songül Aksu geboren, in Rottenburg am Neckar aufgewachsen. Nach dem Abi studierte sie an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen Immobilienwirtschaft. Professionelles Management für Handelsimmobilien war ziemlich schnell ihre Leidenschaft. Tatsächlich legte sie über die Erfolgskriterien für Handelsimmobilien eine Diplomarbeit hin. Mit Hilfe einer empirischen Umfrage untersuchte sie die Bedeutung und Wichtigkeit des professionellen Managements exemplarisch an zwei Centern – dem Fachmarktzentrum Schwarzwald-Baar-Center und des Freizeitzentrums Le Prom in Villingen-Schwenningen. Klar, dass wichtige Unternehmen schnell auf diese ehrgeizige, kluge junge Frau aufmerksam wurden. Die Hamburger Völkel Company, die auch das Stadtzentrum Schenefeld betreibt, schnappte sich Mercan Songül vor zehn Jahren – und hier ist sie immer noch.

Vorurteile, weil sie eine Frau ist? Nachteile?

„Manchmal schon,“ sagt sie ehrlich, „es gibt Situationen, in denen Menschen ins Büro kommen und den CHEF sprechen wollen…ich muss dann immer ein wenig schmunzeln. Aber letztendlich ist es egal, ob Mann oder Frau.“ Pause, tief durchatmen, dann Klartext: „In dieser Position muss man sich durchsetzen – ob als Mann oder als Frau. Ich sorge schon dafür, dass ich ernst genommen werde.“

Was muss man können als Center-Managerin? Die Antwort der Boss(in): „Man muss kreativ und offen sein. Heutige Einzelhandelsmärkte werden immer dynamischer, die Kunden immer anspruchsvoller und erlebnisorientierter, gleichzeitig entwickeln sich mit dem E-Commerce auch alternative Vertriebskanäle immer weiter.“ Das bedeutet: „Ich muss diese Aufgabe mit Leidenschaft und mit Herz betreiben. Und genau das mache ich – mit Leidenschaft und mit Herz.“ Mit anderen Worten: Jeder Tag ist ein Zehn-Stunden-Tag. „Und ich bin natürlich immer zu erreichen.“

Bleibt da möglicherweise das Privatleben auf der Strecke? Küche, Kinder, Karriere – alles unter (k)einem Hut?

„Ich bin glücklich geschieden,“ sagt Mercan Songül, „wirklich glücklich geschieden“. Kinder?

„Nein, ich habe keine Kinder“. Im gleichen Atemzug freilich verrät sie, dass sie schon mit 12 Jahren Tante geworden ist, mittlerweile acht Neffen und Nichten hat. „Ich habe also Kinder,“ lacht sie, „Tante zu sein ist manchmal viel cooler als Mutter zu sein. Ich kann die Neffen und Nichten für eine Stunde erziehen – und dann wieder abgeben.“

Noch einmal nachgehakt zum Privatleben. Hobbys beispielsweise…?

„Ich bin ein total neugieriger Mensch, neugierig auf Menschen dieser Welt. Deshalb liebe ich es, zu reisen. Ich war in den letzten Jahren in Kambodscha, in Vietnam, vor dem Corona-Ausbruch in China. In diesem Jahr wollte ich nach Brasilien, aber das wurde ja nun nichts.“ Achselzucken. „Corona eben – da kann man nichts machen.“ Aber es ist gut möglich, dass sie ihre Eltern besucht – sie pendeln zwischen Deutschland und ihrem Strandhaus in Izmir. „Ich kann im Bikini vom Haus direkt ans Wasser laufen. Ich liebe es, am Meer zu sein. Es ist traumhaft.“

Ende des Interviews, im Auto auf dem Parkplatz, denke ich über diese engagierte Center-Boss(in) nach, die es nicht leicht hat, in Zeiten der Online-Internet-Konkurrenz kaufbereite Menschen in ein Einkaufszentrum zu locken. Woher nehmen Sie die Kraft und den Willen für das alles? habe ich sie gefragt. Und Mercan Songül hat auf ihre Weise geantwortet: „Ich bin ja das Nesthäkchen, die Nachzüglerin. Und bei drei älteren Geschwistern muss man sich schon ein bisschen vordrängen, muss man nach vorn preschen und sagen: Hey, hier bin ich.“

Mercan-Songül Aksu – ein Glückstreffer für das Stadtzentrum Schenefeld.

Das Interview führte Herr Reichelt im September 2020 im Rahmen der Serie “Die Bosse” , erschienen im Pinneberger Tageblatt.